Verkehrsbetriebe Zürich – staunen, schmunzeln und lernen …

Sebastian Manhart 04.09.2012 21:15 17
Verkehrsbetriebe Zürich – staunen, schmunzeln und lernen …

Der Großteil der Leser dieses Blogs kommt zwar aus Deutschland – aber auch bei unseren nördlichen Nachbarn ist das Weiterlesen erlaubt 😉 . Primäre Zielgruppe dieses Posts sind allerdings Vorarlberger Unternehmen. Die Verkehrsbetriebe Zürich, die ich hier als Best Practice-Beispiel vorstellen werde, arbeiten in einem von der Mentalität her recht ähnlichen Umfeld wie wir hierzulande. Argumente wie “In Deutschland (oder gar den USA) ist alles anders, das funktioniert bei uns alles ganz anders …” zählen nicht – auch wenn natürlich Zürich ein deutlich städtischeres Umfeld ist als Vorarlberg …

Warum aber sind die Verkehrsbetriebe Zürich als Vorzeigebeispiel, an dem man viel lernen kann? Weil das Team rund um Jörg Buckmann (der übrigens sehr unterhaltsam über Personalgewinnung bloggt – nehmen Sie sich die Zeit zum Schmökern und abonnieren Sie die Posts!) eine Menge cleverer Aktionen startet, die die VBZ von der breiten Masse der personalsuchenden Unternehmen abhebt.

Vorab mal die Links zu den wesentlichen Auftritten im Netz:

  • Die Karrierepage auf Facebook gefällt mir gut: ansprechende Posts, Team wird gezeigt, direkte Kontaktmöglichkeit, 4 Apps mit Infos zu den VBZ als Arbeitgeber und aktuell offenen Jobs und als Highlight die Einbindung des kununu-Profils (wer oder was kununu ist, muss ich in Vorarlberg hoffentlich niemand mehr erklären). Die Page hätte sich deutlich mehr Likes verdient!
  • Die Karriere-Website gefällt mir weniger – einerseits weil Sie auf der Unternehmens-Website deutlich prominenter platziert werden müsste, andererseits weil mich das nicht besonders moderne Erscheinungsbild nicht anspricht (zur Entschuldigung: Da gehen die Zwänge der Integration in die Unternehmens-Website vor, dh es geht gar nicht besser). Vielleicht wäre ein (sicherlich hart zu erkämpfender Blog) außerhalb der eigentlichen Website eine Option …
  • Als Ergänzung noch die allgemeine Facebook-Page. Schade, dass sich hier als einziger Verweis auf das Thema “Arbeitgeber” ein Hinweis auf die Cartoons (dazu später mehr) findet.

Warum finde ich aber an die Aktivitäten der VBZ so speziell? Lassen wir sie einfach für sich sprechen:

1. Chefs bewerben sich per Video bei potentiellen Mitarbeitern als Chef
Das ist die erste Aktivität, die mir aufgefallen ist – im Post vom Jänner 2012 finden Sie ein Videobeispiel, auf der Website sind hier bereits 50 Videos archiviert. Im Kampf um neue (in privilegierten Fällen um die besten) Mitarbeiter bewerben sich Unternehmen ja ständig um vielversprechende Kandidaten – warum also nicht den unmittelbaren Vorgesetzten zu Wort kommen lassen, der sich, den Job und das Team präsentiert? Solche Videos müssen nicht aufwändig produziert werden, Hochglanz ist nicht nötig.

2. Speziell auf Frauen zugeschnittene Kampagne bei der Suche nach Tramführerinnen

Die Aktivität ist im Blog von Wolfgang Brickwedde im Detail beschrieben. Grundidee: Praktisch identische, parallel geschaltete Stellenanzeigen für Frauen und Männer – die für die Frauen waren dabei deutlich größer als die für Männer. Das Erfolgsergebnis in Zahlen: Verdoppelung der Bewerberzahlen allgemein – und das mit einem doppelt so hohen Frauenanteil.

3. Comics

Mein absolutes Highlight! Mit Fingerspitzengefühl (Humor ist gerade in der Personalkommunikation ein recht dünnes Eis) und viel Augenzwinkern liefern kleine Comics, die jeden Freitag auf der Facebook-Seite gepostet werden, lustige Einblicke in das Leben von Tinka, der Tramführerin. Der Aufwand ist durchaus überschaubar – die Idee muss man aber erst mal haben …

4. Mitarbeiter werben Mitarbeiter: Social Media Ambassadoren
Die Idee ist wiederum eigentlich sehr simpel – in strukturierter Form ist sie mir aber aus keinem anderen Unternehmen bekannt. Die VBZ haben Mitarbeiter als Botschafter in social networks gewonnen, die offene Stellen in ihren eigenen, privaten Profilen posten (detailliert beschrieben bei Henner Knabenreich). Sonst wird in aller Regel darauf gehofft, dass die Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber so begeistert (und zB auch Fan der eigenen Karrierepage) sind, dass sie das aus eigenem Antrieb tun. Achtung bei der Nachahmung: Der Teufel steckt im Detail … Wie häufig soll gepostet werden? Mit welchem Begleittext? Wie wird mit Fragen zu den Jobs umgegangen? Gibt es Prämien? Gibt es ein Honorar? Auswirkungen auf die privaten Inhalte der jeweiligen Präsenzen? Und und und …

Verlassen Sie auch mal ausgetretene Pfade (aber bitte erst, wenn die Hausaufgaben – und damit meine ich vor allem die Karriere-Website – gemacht sind) und probieren sie auch mal ungewöhnliche Dinge aus. Es muss nicht alles klappen, zB können auch peinliche Videos Aufmerksamkeit erzeugen 😉

Fotos: Cartoon Facebook-Page jobs@VBZ Züri-Linie, Screenshot Wolfgang Brickwedde.