Kündigung per Video – Wie groß ist das Problem für den Arbeitgeber?

Sebastian Manhart 30.01.2013 20:54 0
Kündigung per Video – Wie groß ist das Problem für den Arbeitgeber?

Derzeit macht wieder ein Kündigungsvideo im Netz die Runde. Nachdem Joey DeFrancesco (“Joey Quits”, Video am Ende dieses Blogposts) im Oktober 2011 das erste Kündigungsvideo auf YouTube gestellt hatte, das ein breiteres Publikum (3,7 Mio Aufrufe) fand, ist nun Phil Sipka mit seinem Kündigungsvideo an der Reihe (1,1 Mio Aufrufe in knapp 2 Monaten) an der Reihe. Trotz dieser breiten Resonanz stellt sich die Frage, ob die Videos dem jeweiligen verlassenen Arbeitgeber wirklich so wie man es vermuten könnte bzw. eigentlich muss, schaden. Hoffentlich machen die Beispiele nicht Schule …

Phil Sipka

Wie Lead digital heute berichtete, hat der Arbeitgeber mit diesem Video absolut kein Problem. Phil war anscheinend ein durchaus zufriedener Mitarbeiter, der nach drei Jahren kündigte, weil er sich selbständig machte. Obwohl das Video ja eigentlich durchaus positiv wäre (“dort arbeiten ja ganz lässige Typen, also kann’s nicht so übel sein”), hat die Robust Coffee Lounge in Chicago (laut aol der Arbeitgeber, im Video sieht man den Firmennamen nur zum Teil) die Geschichte nicht für sich genutzt. Da hätte man schon etwas draus machen können – schade …

Joey DeFrancesco

Bei “Joey quits” sieht’s allerdings ein wenig anders aus. Der namentlich im Video genannte Arbeitgeber (Renaissance Hotel in Providence) bekommt gleich am Anfang sein Fett ab: “They trat us like shit here” – im Video taucht dann die wenig sympathisch Tafel “this department has worked x days without a lost time accident” auf. Bei HuffPost trat er dann noch nach: “I hated them, and they hated me”. Zudem sammelt ein Tumblr-Blog mit dem Titel “Joey quits” nach wie vor Beschwerdegeschichten von Hotel- und Gastronomie-Angestellten. Da ist die sprichwörtliche Kacke am Dampfen …

Ich konnte mich an den Namen des Arbeitgebers zwar nicht mehr erinnern (ist ja auch schon eine zeitlang her) und im Video ist er schwer verständlich, Google spuckt aber den Namen nach nur 15 Sekunden Suche aus. Der Ruf ist da in der sicherlich überschaubaren “Szene” ruiniert – nachhaltig.

Kann der Arbeitgeber diesen Karren noch aus dem Dreck ziehen?

Nein, kurzfristig sicher nicht – längerfristig vielleicht. Wer offensichtlich vorher mit seinen Mitarbeitern offensichtlich derart unpassend umgegangen ist, muss damit rechnen, dass er irgendwann die Rechnung dafür präsentiert bekommt – vielleicht nicht per Video, in irgendeiner Form aber sicher. Mittlerweile halt nicht mehr von Mund zu Mund sondern “dank” Social Media mit deutlich größerer Reichweite …

Jeder Versuch, das Video aus dem Verkehr zu ziehen (mit juristischen oder gar finanziellen Mitteln), würde mit Sicherheit nach hinten losgehen und nur noch mehr Aufmerksamkeit auslösen. Also heißt es Ärmel hochkrempeln und arbeiten: Arbeitsklima verbessern, Behandlung der Mitarbeiter verbessern, an der Employer Brand arbeiten – alles, was man von Anfang an machen hätte sollen. Kommunikation alleine reicht hier bei Weitem nicht mehr … Nachdem das Hotel nach wie vor in Betrieb ist, müssen sich offensichtlich trotz dieser Geschichte nach wie vor Mitarbeiter finden …

Nachdem dieses Video auch keinen Funken Humor enthält, gibt’s für den Arbeitgeber auch keine Chance auf einen humorvollen Konter wie bei der bereits legendären Liebesgeschichte auf der Facebook-Seite der Deutschen Bahn.

DB1 DB2